Inti Raymi
Wir kamen gerade richtig fuer das groesste Fest im Jahr hier in Otavalo, den Inti Raymi (Inti = Sonne, Raymi = Fest). Dabei wird der Sonne und der Mutter Erde fuer die Ernte gedankt. Viel Musik, Tanz, alte Traditionen und leider auch viel Alkohol. Frueher wurde Chicha getrunken, ein fermentieres Maisgetraenk. Heute kommt viel Bier, suesser Wein und einige staerkere Getraenke dazu.
Bei Camila in Quito
Fabios Grossmutter beim Morocho (eine Art Mais) mahlen.
Das wollte ich auch ausprobieren :). Sieht einfach aus, ist aber schnell anstrengend.
Einmal habe ich meine ehemalige Gastfamilie ins Floralp (schweizer Restaurant) eingeladen. Ebenfalls begleitete uns eine Cousine und Fabio. Ihn habe ich ueberredet, Raclette zu probieren :).
INTI-ÑAN - Weg der Sonne
An einem Sonntag waren Fabio und ich in der Mitad del Mundo (Mitte der Welt). Das ist ein Touristendorf mit mehreren Museen, vielen Restaurants und Touristenlaeden und dem Monument der Mitad del Mundo. Dieses steht angeblich genau auf der Aequator-Linie und enthaelt ein interessantes Museum ueber die verschiedenen Kulturen Ecuadors.
Gleich neben dem bekannten Touristendorf hat es ein weiteres Museum, das Museum Inti-ñan (Weg der Sonne). Dort befindet sich die Aequatorlinie naemlich wirklich. Die Fuehrerin erklaert einem etwas ueber die frueheren Kulturen dieser Region und zeigt einem einige Versuche, welche beweisen, dass man wirklich auf dem Aequator steht. Zum Beispiel, wenn man Wasser durch ein Loch aus einem Behaelter auslaufen laesst, fliesst es im Norden in Uhrzeigerrichtung und im Sueden in Gegenuhrzeigerrichtung (oder umgekehrt, weiss ich nicht mehr :) ). Genau auf der Linie fliesst es aber gerade hinunter, ohne sich zu drehen. Ebenfalls stellten wir fest, dass man genau auf der Linie viel weniger Kraft hat. War alles echt interessant.
Den naechsten Tag verbrachten wir in Mindo. Das ist eine kleine Touristenregion zwischen Anden und Kueste. Die Natur ist dort sehr ueppig, man findet viele Schmetterlinge, Orchideen und Kolibries. Ebenfalls hat es einige schoene Wasserfaelle.
Wir machten auch zwei laengere Reisen an die Kueste Ecuadors. Zuerst nach Canoa und dann nach Montañita. Auf der zweiten Reise nahmen wir Andy, Fabios juengster Bruder, mit. Es ist zwar gerade "Winter" an der Kueste, das heisst immer bewoelkt und ab und zu etwas Regen. Trotzdem verbrachten wir aber eine schoene Zeit am Meer. So oft wie moeglich kochten wir selbst, gingen am morgen oft joggen am Strand (manchmal mit Fussball, was echt Spass macht) und am Nachmittag und Abend war Fabio am verkaufen. Wie ihr auf dem zweiten Foto seht, macht er Schmuck aus Steinen und Silber. Andy und ich waren zudem dauernd am Armbaendeli knuepfen.Am letzten Abend in Montañita hoerten wir auf einmal etwas von einer grossen Welle, andere redeten von Tsunami, Erdbeben in Peru etc. Alle begannen ihre Laeden zu schliessen, die Leute rannten aus den Restaurants, alles bewegte sich chaotisch, viele in Richtung Strasse, bzw. Bussstation. Wir packten den Schmuck zusammen und liefen schnell zum Huegel hinter dem Dorf. Durch das Mikrofon hoerten wir, dass die USA eine Tsunamiwarnung bekanntgab fuer diese Region. Wir kletterten im Dunkeln ueber Steine und Gebuesche ca. 100 Meter den Berg hinauf. Dort trafen wir auf andere Touristen und fanden eine kleine Lichtung mit guter Aussicht auf das Dorf und den Strand. Bald hoerten wir wieder die Stimme aus dem Mikrofon, angeblich bestand keine Moeglichkeit mehr eines Tsunamis. Wir sahen die Leute unten im Dorf wieder ruhig umherspazieren. In einem nahen Haus auf dem Huegel erfuhren wir aber, dass nach Nachrichten im Fernsehen noch bis 9 Stunden nach dem Beben ein Tsunami kommen koennte. Zudem koennte es ein Nachbeben geben. Jedenfalls haetten wir unten im Hotel (das gesamte Dorf liegt auf nicht mehr als 3 Meter ueber Meer) nicht ruhig schlafen koennen und verbrachten die Nacht schliesslich mit ein paar Italiener, Deutschen und Ecuatorianern an einem kleinen Feuer auf dem Huegel. Es war nicht gerade eine sehr gemuetliche Nacht, es war kuehl und die Steine drueckten.
Spaeter erfuhren wir genaueres: Suedlich von Lima gab es ein sehr starkes Meerbeben. In Pisco kamen ueber 500 Menschen ums Leben und die Stadt ist fast vollstaendig zerstoert. Trotz einer Staerke von 7 auf der Richterskala in Lima, starb in der peruanischen Hauptstadt niemand. Natuerlich gab es aber in der ganzen Region sehr hoher Sachschaden. Die Tsunamiwarnung wurde fuer die gesamte sued- und mittelamerikanische Pazifikkueste bekanntgegeben. Ausser einer kleinen Welle in Peru, entstand aber keine Flutwelle.
Jedenfalls war es fuer uns ein sehr eindrueckliches Erlebnis. Waehrend wir auf den Huegel stiegen war ich ueberzeugt, dass sehr bald eine Welle mindestens einen Teil des Dorfes zerstoeren wuerde. Ich wusste, uns konnte auf dem Huegel nichts passieren, trotzdem war ich nicht gerade erfreut ueber diese Vorstellung. Auch am naechsten Tag fuehlte ich mich noch unsicher im Dorf und war froh, als wir dann am Nachmittag endlich in Richtung Anden losreisten.
Laguna de Cuicocha
Eine Woche vor meiner Abreise machten wir mit Fabios Familie einen kleinen Ausflug zur Lagune Cuicocha, in der Naehe von Otavalo. Frueher war das angeblich einer der hoechsten Vulkane Suedamerikas. Vor ca. 3000 Jahren wollte er explodieren, wofuer er schlussendlich zu wenig Energie hatte und es gab eine Art Explosion nach innen. So entstand der riesige Krater, welcher sich durch den geschmolzenen Schnee vom Vulkan mit Wasser fuellte. Die beiden Inseln sind aus Lawa. Das Wasser ist trotz der Hoehe (3500m) relativ warm und zwar durch das immer noch aufsteigende Gas in der Lagune.
Beim Mittagessen im schuetzenden Schatten eines Gebuesches.
Von links: Fabios Mutter Laura, sein Bruder Vito (22), seine Schwester Emma (18), der Sohn der aeltesten Tochter Michael (knapp 3), Fabios juengster Bruder Andy (13) und Fabio.
Raúl und Fabios Grossmutter. Angeblich ist er ihr Ururenkel (ueber irgendeine andere Tante). Das ist schoen moeglich, die Grossmutter ist nicht mehr die juengste und Raúls Mutter ist kaum aelter als ich. Da seine Mutter arbeitet, verbringt der kleine viel Zeit im Haus von Fabios Familie. Die Grossmutter kuemmert sich sehr lieb um ihn, sobald sie sich nur wenige Meter entfernt, beginnt er zu weinen.
Kurz vor meiner Abreise machten wir ein kleines Fotoshooting mit der typischen Kleidung der Otavalos. (Die Frauen kleiden sich hier fast alle noch taeglich so, Fabios Mutter und Grossmutter hatten noch nie in ihrem Leben Hosen an, die Schwestern manchmal zu Hause. Bei den Maennern kleidet sich nur die aeltere Generation noch so, die Jungen hoechstens an speziellen Festen.) Dabei entdeckten wir zudem Andys Leidenschaft und Talent fuer die Fotografie :).
Hier eine kleine Auswahl... Beim Kleiderwaschen im Bach. Das Wasser war anfangs ziemlich kuehl. War aber lustig und habe zudem nun endlich gelernt, wie man richtig von Hand waescht. Fuer Fabios Schwester war es aber sehr amuesant, mir zuzuschauen ;).
An meinem letzten Abend in Ecuador machten wir Tortillas de maíz. Emma hatte den Teig vorbereitet und nun halfen wir alle, die Tortillas zu formen. Sie wurden dann auf dem Feuer im "tuesto" (breite "Pfanne" aus Ton") gebacken. Dazu trinkt man colada morada, ein gelatineaehnliches Getraenk aus Mais, Brombeeren und Ananas.
Normalerweise brauchen sie den Gasherd, in speziellen Situationen kocht man aber immer noch auf dem traditionellen Feuer mit drei Steinen. Von links: Laura, Emma, Fabios Cousine Marina, Fabio, Anic, Grossmutter
Das letzte Foto: Grossmutter, Andy, Raúl, Michael, Emma, Anic, Laura
Nun ist meine 8-monatige Reise bereits zu ende. Ich war an vielen interessanten Orten, habe sehr viele liebe Leute kennengelernt und unzaehlige unvergessliche Erfahrungen gemacht. Suedamerika ist ein wahnsinnig eindruecklicher Kontinent mit vielen oekologischen, kulturellen und oekonomischen Gegensaetzen. Es war eine wunderbare Zeit. Trotzdem freue ich mich nun aber, morgen Abend von San Jose (war noch eine Woche in Costa Rica) wieder nach Zuerich zu fliegen. Irgendwann hat man genug vom Reisen und sehnt sich nach einem normalen Alltag, obwohl das erneute Reisefieber wohl kaum auf sich warten lassen wird :).
Bis bald
Anic