Montag, 18. Juni 2007

Vom Titicacasee und vielen Kindern in Cusco bis zum Machupicchu

Ende April reiste ich von La Paz zum Titicacasee, nach Copacabana. Dort machte ich einen Zweitagesausflug auf die Isla del Sol (Sonneninsel), wo angeblich die Inkakultur "geboren" ist.

Titicacasee auf bolivianischer Seite: Isla del Sol







Dann ging es weiter ueber die Grenze von Bolivien nach Peru bis nach Puno (Hauptstadt der hoechstgelegenen Provinz Perus), ebenfalls am Titicacasee. Die Wasseroberflaeche liegt auf ca. 3800 m.ü.M. Von Puno aus machte ich gleich nochmals einen Ausflug auf den See, zu den schwimmenden Inseln der Uros. Das ist ein Volk, welches vor einigen Jahrhunderten vor den kriegerischen Collas und Inkas auf den See geflüchtet ist. Dort bauen sie seither ihre Inseln aus den Wurzeln von totora (eine Art Schilf), und bedecken diese mit einer dicken Schicht totora. Überhaupt ist das die wichtigste Pflanze in ihrem Leben. Die Häuschen sind aus totora, ihre Boote, sogar essen kann man totora (den untersten, frischen Teil des Stängels, schmeckt echt lecker, wie eine saftige Frucht gegen Durst). Auf einer Insel wohnt meistens eine Familie, aber teilweise mit Tanten, Onkeln, Grosseltern etc. Leider sind die Urus heute vor allem eine Touristenatraktion. Schon frueh am Morgen kommen die ersten Schiffe aus Puno an, vollgeladen mit Touristen und dessen Fotokameras (ich war ja natuerlich auch eine davon). Die Urus koennen so aber auf ihren eigenen Inseln den Touristen ihr Kunsthandwerk verkaufen. (Die Touristenfuehrer verlangen von ihnen aber etwas, damit sie mit den naechsten Touristen wieder kommen, wirklich ungerecht.) Ich blieb als einzige Touristin auf der groessten Insel, Kamisaraki, dort hat es etwas wie eine kleine Lodge. Sie haben mir ein Abendessen gekocht und ich habe in einem der Tipis uebernachtet. Trotz 6 Decken war es eiskalt (auf 3800m!!). Aber am naechsten Morgen hat mich der Vater der Familie mitgenommen auf das Wasser und hat mir gezeigt wie sie fischen und totora schneiden. Das war wirklich interessant.



Titicacasee auf peruanischer Seite: Schwimmende Inseln der Uros





Eine der Toechter der Familie, sie ist gleich alt wie ich. Unter dem gelben Tuch links auf dem Foto schlaeft ihr 2-monate altes Baby.
Da drin habe ich uebernachtet.

Reise von Puno nach Cusco


Vom Titicacasee reiste ich mit dem Zug bis nach Cusco, eine 10-stuendige Reise durch die Anden.


Bei einem Zwischenhalt, fuer die lokalen Leute ist die Ankunft des Zuges das grosse Ereignis, weil sie dann ihre Ponchos, Taschen, Handschuhe etc. verkaufen koennen.







Cusco


In der Stadt der Inkas verbrachte ich 1 1/2 Monate. Immer am Nachmittag habe ich in dem Projekt "Señor de Huanca" gearbeitet. Dorthin kamen arme Kinder aus diesem Quartier, wir halfen ihnen bei den Hausaufgaben, machten Spiele, spielten draussen oder machten Handarbeiten. Zudem gab es alle 2 Tage eine Mahlzeit fuer die Kinder. Ich konnte mit 10 Kindern einen Handarbeitskurs durchfuehren. Jeden Nachmittag haben wir waehrend ca. 2 Stunden Halsketten und Armbaendeli gemacht. Da es immer die selben Kinder waren, kamen wir gut voran und konnten auf den gelernten Sachen aufbauen. Die Arbeit mit diesen Kindern hat mir echt Spass gemacht.


Gewohnt haben wir bei der Familie, welche dieses Projekt gegruendet hat. Mit mir waren noch andere Voluntäre dort aus England, Holland, USA etc. Zudem kam bald Fabio aus Costa Rica und blieb mit mir bis am Schluss.



Wanderung auf den Pachatusan

Evy (Holland), Paul (England) und ich hatten die Moeglichkeit, mit einer kleinen Gruppe auf den Berg Pachatusan zu wandern. Das Ziel war vor allem, verschiedene Zeremonien durchzufuehren und so dem Berg zu danken. Am ersten Tag liefen wir bis zu einer kleinen Lagune, auf ca. 4500 m.ü.M. Dort haben wir unsere Zelte aufgebaut. Bei der Zeremonie fuer die Lagune haben wir sogar gebadet, um uns zu reinigen. Leider war die Sonne gerade am untergehen und unsere Zehen sind praktisch bis am naechsten Morgen nicht mehr aufgetaut (es war eiskalt!!!).
Am Morgen frueh ging es ohne etwas im Magen bis auf den Gipfel des Berges. Nach wenigen Hoehenmetern konnte ich kaum mehr weiterlaufen, vor allem weil die Luft auf dieser Hoehe sehr duenn ist. Mit einigen Blaettern Coca in der Backe hatte ich wieder neue Kraefte (ist echt eindruecklich, die Wirkung dieser Pflanze) und erreichte das Ziel noch vor einigen andern der Gruppe.
Dort oben, bei eisiger Kaelte, gab es nochmals eine Zeremonie bevor wir den ganzen Berg wieder herunterliefen (ca. 6 h bergab).
Es war echt eine endrueckliche Erfahrung, aber einmalig (wuerde ich nicht wiederholen :) ).


Die beiden Jungs haben uns mit ihren Eseln begleitet, um das Gepaeck hochzutragen. Am selben Tag liefen sie aber gleich wieder runter.


Beim Runterlaufen haben wir auf einem Kartoffelfeld einige Kinder angetroffen. Kurz vorher hatten sie Kartoffeln in der Erde gekocht (ein Loch in der Erde, mit heissen Steinen, zugedeckt waehrend einer Stunde). Fuer ein wenig Fanta und Cocablaetter durften wir die leckeren Kartoffeln geniessen.




Beim neuen Zimmer streichen im Haus in Cusco

Im Projekt "Señor de Huanca"
Paul beim Basteln mit den Kindern fuer den Muttertag


vor dem Essen

In meinem Handarbeitskurs im Projekt






Die Inkas in Cusco
Cusco war vom 13. bis zum 16. Jahrhundert die Hauptstadt des Inka-Imperiums. Innerhalb von wenigen Jahrzenten hat dieses Volk ein riesiges Gebiet im heutigen Suedamerika erobert, von Teilen von Chile und Argentinien im Sueden bis zur heutigen Grenze Ecuador-Kolumbien im Norden. Wenn immer moeglich haben sie die unterschiedlichen kleinen Voelker friedlich erobert, also sie sozusagen gefragt, ob sie nicht Teil ihres Reiches sein moechten. Wenn sie nicht einwilligten, wurde es aber ziemlich blutig. In jedem Fall nahmen sie den Fuehrer des neu eroberten Volkes nach Cusco mit, um ihm die verschiedenen Wissenschaften zu lehren. Nach zwei Jahren kehrte dieser zu seinem Volk zurueck, um ihm seine neu errungenen Kenntnisse weiterzugeben. So profitierten die Inkas auch von dem unterschiedlichen Wissen der verschiedenen eroberten Voelker.

Das ganze Reich war sehr gut organisiert, mit tausenden von Kilometern Strasse, welche das ganze Gebiet verband. Das Imperium wurde auch Tahuantinsuyo (die vier Regionen der Sonne) genannt und war aufgeteilt in Chinchaysuyo im Norden, Collasuyo im Sueden, Antisuyo im Osten und Contisuyo im Westen.
die 4 suyos des Inka-Imperiums



Die spanische Eroberung Suedamerikas vor rund 5 Jahrhunderten hat das Inka-Imperium groesstenteils zerstoert. Auf den ehemaligen heiligen Tempeln der Inkas wurden katholische Kirchen gebaut, es wurde ihnen verboten ihre Zeremonien durchzufuehren und ihre Sprache, das Quechua, zu sprechen.

Noch immer zeugen aber unzaehlige archaeologische Ueberreste in der gesamten Region von der Hochkultur der Inkas.

Ruinen von Pisac




Ruinen der Festung von Sacsayhuaman aus unglaublich grossen Steinen (die weissen und schwarzen Punkte vor den Ruinen sind Touristen)

Ruinen von Tambomachay; das Wasser, welches immer noch durch diese Brunnen fliesst, sei angeblich sehr gesund


verschiedene weitere Fotos:

die Altstadt von Cusco


mit den Kindern auf nahen Ruinen


Fussballspiel: Leiter gegen die aeltesten Kinder (gaaanz knapp haben wir gewonnen)


mit Fabio bei den Ruinen in Ollantaytambo ...
... und im Ausgang

wieder in meinem Handarbeitskurs
Das habe ich mit den Kindern gemacht

Meine Mannschaft in der Schweiz ist aufgestiegen, das mussten wir natuerlich auch ein wenig feiern :)


beim naechsten Fussballspiel im Projekt (diesen Penalty habe ich versenkt!! :) )


Endlich auf dem Machupicchu
Als Hoehepunkt in Cusco reisten wir zum Schluss noch auf den Machupicchu, zusammen mit meiner Schwester Patricia und ihrem Freund, welche extra fuer diesen Ausflug von Bolivien nach Peru angereist waren. Wir reisten nicht mit dem Zug von Cusco bis zum Machupicchu, sondern mit mehreren Bussen, ueber einen Umweg. Das war ein ziemlich muehsamer Weg, aber dafuer viel billiger. Nach einer Uebernachtung im grausam touristischen Dorf Aguas Calientes am Fuss des Berges ging es dann endlich hinauf auf den Machupicchu ("alter Berg"). Die noch gut erhaltenen Ueberreste dieser grossen Inka-Staette (die Spanier haben sie zum Glueck nie entdeckt) wurden erst anfangs 20. Jahrhundert wieder entdeckt. Sie ist in drei Gebiete aufgeteilt: das der Bauern, mit vielen Terrassen fuer die Landwirtschaft, ein Teil fuer die allgemeine Bevoelkerung und das dritte ist das heilige Gebiet, wo die Tempel etc. aus erstaunlich exakt zugeschnittenen Steinen aufgebaut sind.

Heute ist Machupicchu eines der bekanntesten und beliebtesten Touristenziele ganz Suedamerikas, was man leider auch am Eintrittspreis zu spueren bekommt (40 US-Dollar!).
Aber ein Besuch lohnt sich wirklich, die Gesamtheit dieser unzaehligen Gebaeuden, Mauern, Brunnen etc. perfekt eingebettet in die Landschaft mit der ueppigen Natur rundherum ist echt etwas einmaliges!
(Uebrigens, Machupicchu wurde vor kurzem als eines der sieben neuen Weltwunder gewaehlt!)

mit Fabio auf dem Machupicchu

Lima

Kurz nach dem Ausflug auf den Machupicchu hiess es Abschied nehmen von Cusco und die Reise fuer Fabio und mich ging weiter nach Lima. Dort verbrachten wir nur 2 Tage, da wir jemanden besuchen wollten (sonst waehren wir gleich weitergereist). Ich habe zwar das Touristenquartier Miraflores nicht kennengelernt, aber trotzdem wage ich es, die Stadt als echt haesslich zu bezeichnen. Vielleicht hat es einige gute Museen und das Zentrum (Regierungspalast, "Mauern-Park" etc.) ist einigermassen anschaubar, aber sonst hat es vor allem viel Verkehr, Verschmutzung (der Himmel ist praktisch immer bedeckt vom Smog), Laerm, sehr hohe Kriminalitaet, unendliche Slums und rundherum nur Wueste. Jedenfalls hat es mir ueberhaupt nicht gefallen.

Slums rund um Lima

Nach Lima reisten wir weiter nach Máncora, an der Kueste im Norden Perus. Das war wirklich das totale Gegenteil. Ueberhaupt kein Stress, auf der Strasse fast nur Velo- und Moto-Taxis, immer gutes Wetter, kein Laerm, alle Leute gut gelaunt und einfach entspannen am Strand.

Nach 3 Tagen Erholung ging es dann endlich nach Ecuador. Die Ueberquerung der Grenze war zwar echt muehsam (die beiden Migrationen, wo wir die Aus- und Einreisestempel im Pass bekamen, sind je etwa 4 km von der Grenze entfernt). Nach einer sehr zuegigen Bussfahrt kamen wir dann am naechsten Morgen in Quito an, und bald darauf war ich in Ibarra, bei meiner ehemaligen Gastfamilie. Hier in Ecuador werde ich es nun noch bis am 25. August geniessen, bevor dann bald mein Studium beginnt.