Dienstag, 15. Mai 2007

Vom Salar de Uyuni, den Minen von Potosí .... und Coca

Zuerst mal ein grosses Entschuldigung, schaeme mich wirklich, so lange nicht mehr geschrieben zu haben. Unterdessen bin ich bereits seit ueber 2 Wochen in Cusco, Peru. Habe aber vorerst noch viel zu erzaehlen von meinen Erlebnissen in Bolivien.


Salar de Uyuni
Nach der Ueberquerung der Grenze von Argentinien nach Bolivien reiste ich mit dem Zug nach Tupiza, Ausgangspunkt fuer viele Touren. Von dort aus nahm ich an einer 4-Tages-Tour teil durch den suedwestlichsten Zipfel Boliviens und bis zum Uyuni-Salzsee. Wir waren eine gemischte 6-er Gruppe: Einer aus Zimbabwe (Davide), ein Spanier (Jon), eine Wallisserin (Cristelle), eine Genferin (Alisa), eine aus Lausanne (Jasmin) und ich. Wir hatten es sehr gut untereinander. Wie ihr euch vorstellen koennt, hatte ich waehrend diesen 4 Tagen ein intensives Sprachtraining, viel Franzoesisch, gemischt mit Englisch und Spanisch. War aber echt super! Julio, der Fuehrer-Chauffeur war erst 20 Jahre alt, machte seine Arbeit aber sehr gut. Ebenfalls begleitete uns eine Koechin, Agustina, Mutter von 4 Kindern.
Denn in dieser Region hat es, nicht wie im Norden Argentiniens, keine groesseren Doerfer mit Restaurants etc. Agustina war echt spitze, wir haben waehrend diesen 4 Tagen immer sehr gut gegessen. Oft kochte sie am morgen ab 4 oder 5 Uhr bereits das Mittagessen, welches wir dann irgendwo an einem Fluss oder einer Lagune assen.

Am ersten Tag waren vor allem die verschiedenen Felsformationen spannend. Bald waren wir sehr hoch, sahen viele Lagunen (teilweise mit Flamencos), Vulkane mit weissen Kappen, Ruinen von alten, verlassenen Doerfern, Halbwuesten etc. Uebernachtet haben wir jeweils in kleinen Doerfern, alle 6 ein einem Raum, in Betten mit ca. 6 Decken! Das war echt noetig, die erste Nacht z.B. schliefen wir auf 4300 m.ue.M. Am Abend haben wir mit den Dorf-Kindern ein wenig Fussball gespielt, bzw. wir habens probiert, nach 3 Minuten war ich total kaputt ;).
Einmal konnten wir in einer heissen Lagune baden und am gleichen Abend kamen wir bei Geisieren vorbei.
Eine Panne am Cheep war DIE Atraktion im kleinen Dorf :).

Am letzten Tag kam dann das Highlight: der Salar de Uyuni. Ca. um 5.30 fuhren wir los, auf den See hinaus. Nach ca. 2 km Strasse konnte man ohne Problem fahren, wo und so schnell man wollte, das Salz ist wie eis, aber nicht rutschig. In ca. 40 Minuten waren wir bereits die 80 km gefahren bis zur Isla del Pescado (nach seiner Form) oder Inca Huasi (Haus des Incas). Dort konnten wir den Sonnenaufgang bewundern. War echt eindruecklich. Haben dann ein wenig mit dem Schatten und der Distanz gespielt :).

Anschliessend besuchten wir noch ein kleines Salzmuseum und den Zug-Friedhof in Uyuni. Dann war die Tour bereits zu ende und ich fuhr mit Davide und Jon weiter nach Potosí (eine seeeeehr holprige Busfahrt, habe mindestens 3 mal den Kopf angeschlagen oben an der Gepaeckablage, weil ich es mich so herumgeruettelt hat, koennte man fast als 6-stuendige Achterbahn bezeichnen, haben aber nur ca. 6 SFR dafuer bezahlt :) ).


Potosí - die Wiege der Globalisierung
Das zumindest wurde uns so erklaert. Bereits im 16. Jhrdt hat man die Schaetze des "Reichen Berges von Potosí" entdeckt. Waehrend Jahrhunderten wurde vor allem Silber abgebaut in den unzaehligen Minen. Der Berg ist unterdessen sogar einige Meter weniger hoch durch die vielen Sprengungen. Das Silber kam natuerlich vor allem nach Europa und hat dort den Handel, den Egoismus und die Gier nach Reichtum gefoerdert.

Heute findet man nur noch wenig Silber, aber immernoch hat es andere Mineralien, welche gefoerdert werden. Frueher war alles Sklavenarbeit, und wirklich nicht eine sehr gesunde noch angenehme Aufgabe. Die schwarzen und indigenen Sklaven verbrachten manchmal mehrere Monate im Berg, ohne Tageslicht. Wir haben eine 2-stuendige Tour gemacht in einem kleinen Teil des Berges. Danach war unser einzige Wunsch: hinaus! Es ist stickig, stockdunkel und sehr eng. Die Stoffe in der Luft sind sehr schlecht fuer die Lunge etc. und die Arbeit ist sehr hart. Hier im Hintergrund links sieht man den "reichen Berg" von Potosí.Potosí liegt uebrigens auf 4000 m.ue.M. Frueher kauften sich die Arbeiter mit ihrem wenigen Geld lieber Coca-Blaetter als Nahrung, denn durch das Coca-Kauen hatten sie Energie um laenger zu arbeiten, zudem verspuerten sie weniger Hunger. Noch heute haben alle Arbeiter eine dicke Backe gefuellt mit Coca-Blaetter waehrend der Arbeit in der Mine (siehe obere Foto). Zudem war und ist leider auch der Alkohol sehr verbreitet, um die Strapazen besser zu ertragen.
Nach wenigen Jahren in den Minen ist der Koerper krank und man lebt nicht mehr lange. Man sagt, waehrend den knapp 5 Jahrhunderten starben in oder durch die Arbeit in den Minen von Potosí ca. 8 Millionen Menschen!

Nach den Minen haben wir in Potosí auch noch das "Haus des Geldes" besucht. Dort wurden bis anfangs des letzten Jahrhunderts Muenzen hergestellt aus dem Silber von den Minen. Man sieht verschiedenste Muenzen aber auch die grossen Maschinen um das Silber zu verarbeiten.


Sucre - die (ehemalige) Hauptstadt
Von Potosí reisten wir weiter nach Sucre, eine der wichtigste Staedte des Landes. Waehrend langer Zeit war sie Hauptstadt, heute nur noch konstitutionelle Hauptstadt und Sitz des obersten Gerichtshofs. Die Altstadt ist mit ihren weissen Gebaeuden und einigen schoenen Plaetzen sehr angenehm, z.B. um ein Buch zu lesen oder ein wenig zu relaxen. Sucre ist bei Reisenden auch sehr beliebt fuer Spanischunterricht.
Auf dem Hauptplatz hat es viele Kinder, welche allen Touristen die Schuhe putzen moechten. Ich wollte meine Schuhe nicht putzen lassen, habe drei Jungs aber nach langem Stuermen ein Eis bezahlt.
Uns hat der Markt sehr fasziniert, welcher sich gleich neben unserem Hostal befand. Das wichtigste Gebaeude (angeblich von ganz Bolivien) ist die "Casa de la libertad" ("Haus der Freiheit"). Dort drin wurde 1825 Boliviens Unabhaengigkeitserklaerung unterzeichnet. Im Museum befinden sich die ersten Flaggen sowie die meisten der wichtigen Dokumente aus jener Zeit. Der Fuehrer erklaerte uns sehr viel interessantes zur Geschichte Boliviens. Die Stadt ist uebrigens nach dem Freiheitshelden Antonio José de Sucre benannt.
In Sucre ging ich auch ins Museum de arte indígena (indigene Kunst). Dort erfaehrt man viel ueber das traditionelle Weben aus zwei Doerfern in der Region. Man kann sogar zwei jungen Frauen direkt beim Weben zuschauen, echte Kuenstlerinnen!
La Paz und El Alto
Von Sucre ging meine Reise weiter nach El Alto, eine Stadt neben La Paz, Regierungssitz Boliviens. Patricia, meine Schwester, verbringt dort 3 Monate, wohnt bei einer Familie und arbeitet in einem Kindergarten. Ich konnte bei ihrer Gastfamilie wohnen, wirklich ganz liebe Leute. El Alto befindet sich auf ca. 4000 m.ue.M, die Landschaft ist ziemlich kahl, in der Nacht ist es eiskalt und die Leute dort sind allgemein ziemlich arm. Sie gehoert zu den am schnellsten wachsenden Staedten der Welt.

Gleich an meinem zweiten Tag dort nahmen sie mich mit aufs Land um Kartoffeln zu ernten. Die ganze Familie beteiligte sich und Patricia und ich unterstuetzten sie auch ein wenig. Die Arbeit ist grausam anstrengend, fuer uns vor allem auch noch wegen der Hoehe. Darum gab es vor Arbeitsbeginn ein wenig Coca.

Am fruehen Nachmittag gab es dann endlich etwas zu essen. Alle Frauen hatten bereits zu Hause etwas gekocht und hier wurde nun alles auf einem Tuch ausgebreitet, ein grosser Haufen aus Reis, verschiedenen Maissorten, verschiedenen Kartoffelsorten, Yuca, Salat, Kaese etc. Alle setzten sich einfach darum und gegessen wurde mit den Haenden. Ein sehr schoenes Erlebnis.

Einige Frauen vom Quartier und Patricia am Fussball spielen.

Einmal haben Patricia und ich einen Ausflueg gemacht nach Tiwanaku, ein Dorf etwas westlich von El Alto. Vor den Incas war das waehrend fast 2000 Jahren das Zentrum einer Hochkultur. Spuren davon kann man noch heute in den verschiedenen Ruinen sehen, welche zu einem grossen Teil gar noch nicht aufgedeckt sind.
Eines der wichtigsten und bekanntesten Zeugnisse ist die Puerta del Sol ("Sonnentuer").

Fuer 3 Tage reisten wir nach Cochabamba, eine andere wichtige Stadt Boliviens. Dort hatte Patricia ihre ersten zwei Wochen verbracht, in einer Sprachschule und ebenfalls bei einer Gastfamilie. Bei dieser Familie konnten wir nun auch wieder wohnen. Cochabamba liegt "nur" auf ca. 2500 m.ue.M und das Klima ist dadurch einiges angenehmer, zudem ist alles gruen und sehr blumenreich. Auf einem Huegel neben der Stadt befindet sich der beruehmte "Cristo" (eine Christus-Statue), angeblich der groesste der Welt. Von dort aus hat man auch ein schoenes Panorama ueber die ganze Stadt.

La Paz wurde zwar auf der Hochebene gegruendet, bald aber in eine Art Kessel versetzt, wo die Stadt etwas vom Wind und der Kaelte geschuetzt ist. Je weiter hinein, nach unten, man faehrt, um so reicher sind die Quartiere und oben leben die aermeren Leute an den steilsten Haengen wirklich bis an den Rand des Kessels.
Wir haben im Zentrum ein leckeres Vegi-Restaurant gefunden.
Auf dem Hauptplatz einige Freiheitshelden, Flaggen und im Hintergrund das Regierungsgebaeude, die Anordnung des Platzes wie in jeder Stadt Lateinamerikas.

Meine letzten Tage in La Paz nutzte ich noch um das Musikinstrumenten-Museum und das Coca-Museum zu besuchen, beide sehr interessant. Die Coca-Blaetter sind hier wirklich sehr verbreitet, im Norden Argentiniens, in Bolivien sowie in Peru. Wie bereits erwaehnt sind sie sehr wertvoll um laenger Energie zu haben, gegen den Hunger aber auch in der Hoehe. Vielen Touristen werden Coca-Tees serviert um die Hoehe besser ertragen zu koennen. Zudem hilft diese Pflanzen auch gegen Uebelkeit, fuer die Verdauung etc. Hier in der Andenregion ist sie zudem sehr wichtig fuer spirituelle Zwecke, um der Mutter Erde zu danken oder einem heiligen Berg zu opfern. Frueher hatte es uebrigens in Coca-Cola Extrakt aus Coca-Blaettern. Leider kennt man diese Blaetter heute vor allem als ein Inhaltsstoff von Kokain und ist darum in den meisten Laendern verboten. Um 1 g Kokain herzustellen, braucht man 10 kg Coca-Blaetter! (Das nur fuer diejenigen, welche immer noch glauben, Coca-Blaetter seien gefaehrlich.)

Von La Paz reiste ich weiter an den Titicacasee, dazu das naechste Mal mehr.